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Kalenderblatt für den 30. September




Israels Verräter

Kalenderblatt Bild30. September – Kalenderkunde

Mordechai Vanunu, geboren 1954 in Marrakesch, hinterlässt mit seinen Bildern einen freundlichen und gelassenen Eindruck. Seine Geschichte jedoch ist alles andere als entspannt.

In frühen Jahren kam er mit seinen Eltern nach Israel, besuchte dort die Schule, machte den obligatorischen Militärdienst und fing sogar ein Studium als Physiker an. Das musste er aus finanziellen Gründen nach einem Jahr abbrechen. Immerhin eignete er sich mit seinen Kenntnissen dafür, einen Job als Nuklearforscher im israelischen Atomprogramm auszufüllen.

30. September - Kalenderkunde „Mordechai Vanunu 2009“ von Eileen Fleming - OTRS submission by Eileen Fleming. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
30. September – Kalenderkunde
„Mordechai Vanunu 2009“ von Eileen Fleming – OTRS submission by Eileen Fleming. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons

Wem es noch soweit geläufig ist, damals war durchaus noch der kalte Krieg angesagt und alleine Atombomben zu besitzen, machte und macht auch heute noch einen popeligen Fleck auf der Landkarte schlagartig zu einem echten Mitspieler auf der großen Bühne. Daher, und auch weil Israel in seiner Politik zutiefst mißtrauisch war, wurden die Nuklearbestrebungen extrem geheim gehalten.

Neben der Arbeit besuchte Vanunu weiter die Uni und insbesondere Philosophiekurse. In dieser Zeit wechselte seine Einstellung von gemäßigtem Rechts zu ganz schön Links. Er trat der israelischen kommunistischen Partei bei, blieb aber eher Eigenbrötler.

Dann wurde er mit einem Haufen anderer Leute 1985 entlassen. Vermutlich auch wegen seiner politischen Neigungen, evtl. befürchtete man, er sei zu pro-arabisch und ggf. bereit extremer zu werden. Vanunu begab sich auf eine Weltreise. Selbstfindung, Erholung etc.

Was sein Staat nicht wusste, war die Tatsache, dass er in der Forschungsanlage ein paar Fotos hat machen können, die auch bewiesen, dass Israel erfolgreich Atommacht geworden ist. Und er beschloss, seine Klappe nicht zu halten. Auf seinen Reisen begegnete er jemandem, der u.a. Kontakt zu Robert Maxwell, dem Verleger des Daily Mirror herstellte. Insofern ein dummer Fehler, da Maxwell ein großer Israelfreund war und die Fotos sofort an den Mossad weiterleitete. [aartikel]B0064LHOYE:right[/aartikel]

Und am 30. September 1986 wurde Vanunu in eine klassische Falle gelockt. Noch bevor die Londoner Sunday Times berichten konnte. Ein scharfes Ding namens Cindy, angeblich Touristin, lockte ihn nach Rom in ein Hotelzimmer, wo er von weiteren Agenten gefangen und heimlich per Schiff nach Israel gebracht wurde. Sechs Wochen lang war der arme Kerl spurlos verschwunden, bis es ihm gelang, einigen Journalisten eine Nachricht zukommen zu lassen, die er sich auf die Handinnenfläche schrieb und an die Fensterscheibe bei einer Busfahrt hielt.

Israel verurteilte ihn zu 18 Jahren Haft, 11 davon vollkommen isoliert. Viele Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle protestierten weltweit, genützt hat es nichts. Und nach den langen Gefängnisjahren musste er weiter unter schweren Auflagen leben. Keine Post, kein Telefon, Internet usw. Und dennoch gelang es ihm über 100 Interviews zu geben, was ihm wieder und wieder Ärger und sogar weitere Haft eingebracht hat.

Außerhalb Israels wurde und wird er geehrt, war mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und man sieht in ihm natürlich ein Symbol.
Innerhalb Israels wurde 1998 das sog. Vanunu-Gesetz verabschiedet, mit dem der Staat die sonst unantastbare Post an Parlamentsabgeordnete bei Verdacht öffnen darf.
















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